Deutscher Jiu Jitsu Bund

Wie es Tradition ist, fand das KID-Seminar der Korporation Internationaler Danträger (KID) wieder zu Beginn des neuen Jahres, diesmal vom 23. bis 25. Januar 2026, im Sportzentrum Radevormwald statt. Der Januar zeigte sich bei der Anreise der Mitglieder der KID, die aus allen Teilen der Bundesrepublik zum Seminar kamen, von seiner freundlichen Seite, dennoch war aufgrund des kalten Bodens in Teilen des Landes mit Blitzeis zu rechnen. Somit war das Thema Wachsamkeit (jap. Zanshin) für dieses KID-Seminar schon vor Beginn – nicht nur in philosophischer Hinsicht von erheblicher Relevanz.
Noch bevor man sich am Freitagabend zum Abendessen traf, hatte man es sich im Sportzentrum gemütlich gemacht und das eine oder andere Gespräch führen können. Der Abend des ersten Seminartages war zunächst gefüllt mit der Durchführung der diesjährigen Jahreshauptversammlung und Ehrungen, gefolgt von dem hervorragenden Abendessen. Derartig gestärkt war der Übergang in die Dual Bar leicht, wo der Abend mit zahlreichen fachsportlichen und privaten Themen gemütlich und spät wurde, schließlich hatte man sich noch viel zu erzählen...

Am Samstagmorgen ging es dann nach dem Frühstück zurück in den Tagungsraum, wo zunächst die Themen vom Vorjahr und deren Umsetzung besprochen wurden. Gemeinsam mit dem Präsidenten von KID/DJJB, Josef Djaković (9. Dan Jiu Jitsu), präsentierte der Vorsitzende von KID/DJJB, Denis Heinrich (4. Dan Jiu Jitsu) einen kompakten Rückblick auf die wichtigen Themen des vergangenen Jahres und einen Überblick über die diesjährigen Seminarthemen. Insbesondere ging es u.a. um die Weiterentwicklung und Verbesserung des Lehrgangsanmeldeverfahrens auf der Internetseite des DJJB.
Es folgten die Berichte der Referenten der jeweiligen Ausschüsse (Lehr- und Prüfungswesen, Gleichstellung und Prävention, Jugend, Mitglieder, Wettkampf, Digitalisierung, Öffentlichkeitsarbeit, Material und technisches Gremium) über ihre Tätigkeit und die hier erzielten Fortschritte und Ergebnisse. Insgesamt verflog der Vormittag der KID-Mitglieder, welche sich in einer hochgradig konstruktiven Atmosphäre mit allen anstehenden Themen auseinandersetzten, im Nu, sodass bald schon das Mittagessen mit Mittagspause anstand.

Zuvor stand aber noch ein wichtiger Tagespunkt an, denn dem 1. Vorsitzenden von KID/DJJB (Denis Heinrich) wurde für seine jahrelange hervorragende Arbeit von Josef Djaković der 5. Dan Jiu Jitsu verliehen. Dies sollte nicht die letzte Ehrung auf diesem KID-Seminar sein…
 

Hiernach referierte Achim Wiemer (4. Dan Jiu Jitsu, 2. Dan Jiudo) über die 13. Deutschen Meisterschaften des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) im Jiu Jitsu, die am Wochenende vom 9./10. Mai 2026 in Linkenheim-Hochstetten (bei Karlsruhe) unter dem Motto Technik, Respekt, Leidenschaft, stattfinden werden. Ausrichtender Verein ist der Kishido TV-Hochstetten. Die diesjährigen 29. Internationalen Meisterschaften der United Nations of Ju Jitsu (UNJJ) sollten ursprünglich auf Sizilien, Italien stattfinden. Dies war jedoch aus verschiedenen Gründen nicht möglich, so dass sie nun voraussichtlich vom 9.-11.10.2026 in Gibraltar stattfinden werden. Ausrichter sind das Vereinigte Königreich und Gibraltar. Jürgen Rautert stellte die Planungen und Organisationsmaßnahmen vor und informierte die Anwesenden.
Im Anschluss hieran referierten Volker Schwarz und Andreas Dolny zu dem budo-philosophischen Thema Die Verhältnismäßigkeit des Agierens als Budoka in Situationen der Selbstverteidigung unter besonderer Berücksichtigung der Sichtweisen von André Protin (Bujutsu-Bushidō-Budō-Dō). Im Anschluss an den Vortrag gab es noch einen regen Austausch, welcher in eine kurze Pause mündete, bis Michael Hanstein als Referent des Wochenendes erschien und mit seinem theoretischen Teil begann.

Der sich anschließende praktische Teil des KID-Seminars war so konzipiert, dass die Techniken aus dem Bereich Messerkampf speziell auf das Jiu Jitsu des DJJB abgestimmt waren. Hier zeigten sich schnell Synergien zwischen dem Messerkampf (mit philippinischen Wurzeln) und dem Jiu Jitsu, wie es im DJJB gelehrt wird. Abwehren gegen Angriffe mit dem Messer sind fester Bestandteil des Repertoires des Technikkanons im Deutschen Jiu Jitsu Bund. Bei einer sachlichen Betrachtung sind Messer als Gegenstände zunächst Werkzeuge und Instrumente. Als Waffe geht von Messern in Händen geübter Kämpfer (Täter) allerdings eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben aus.
Somit lag es nahe, den technischen Schwerpunkt dieses KID-Seminars im Sinne der weiteren Professionalisierung der KID-Mitglieder im Bereich Messerkampf anzusiedeln. Michael Hanstein, welcher alle Anwesenden durch seine hohe Kompetenz und seine Persönlichkeit gänzlich in seinen Bann ziehen konnte, gab zunächst eine theoretische Einleitung zum praktischen Teil. Er betonte ausdrücklich die Gefährlichkeit von Messerangriffen. Diese seien sehr schnell ausgeführt und Raum zum Ausweichen sei wichtig. Hier gilt es je nach Abstand und Distanz zum Messerangreifer zu agieren: Bei einer langen Distanz sei sofort die Initiative zu ergreifen mittels eines Vorwärtsfußstoßes, einer Fingerstichtechnik oder durch einen Tritt vor das Schienbein.
 

Ziel sei es gedanklich "vor den Angreifer" zu kommen. Bei einer mittleren Distanz zum Messerangreifer sei mit Blocktechniken und Parierbewegungen zu arbeiten. Auch an dieser Stelle gilt es gedanklich "vor den Angreifer" zu kommen, ihn aus dem Konzept zu bringen und mit Weiterleitungstechniken abzuwehren. In der Nahdistanz steht die Reaktion an erster Stelle und mit ihr das Blocken und Ausweichen. Es muss verhindert werden, dass das Messer trifft; erst den Angriff überleben, um dann die Kontrolle über die Waffe zu erlangen.
Innerhalb seines Konzeptes stellte Michael Hanstein außerdem die besondere Gefährlichkeit heraus, wenn der Messerangreifer die eingeleitete Verteidigung oder Abwehrtechnik durchbricht oder überwindet. Wichtig sei zudem, dass bei einer Entwaffnung diese mit einer Waffenkontrolle einhergehen muss. Fazit: In Theorie und Praxis gab der Referent einen sehr gut strukturierten Überblick über die Grundprinzipien des Messerkampfs. Nach dem verdienten Abendessen trafen sich die KID-Mitglieder wieder in der Dual Bar, wo sie den Tag ausklingen ließen.

Am Sonntag nach dem Frühstück ging es zurück auf die Matte. Der Gastreferent schloss an den praktischen Teil vom Samstag an und vertiefte noch einmal die Übungen des Vortages. Michael Hanstein schloss den letzten praktischen Teil mit dem Hinweis, dass die erlernten Techniken ein Baustein für die Messerabwehren im Jiu Jitsu (des DJJB) seien, die wir für uns adaptieren und den Messerabwehren vorschalten könnten.
Mit einem großen Applaus bedankten sich die KID-Mitglieder für die anstrengenden und lehrreichen Übungseinheiten. Im letzten formalen Teil des KID-Seminars standen die Neuaufnahmen von KID-Mitgliedern im Mittelpunkt. In diesem Jahr können wir uns als KID freuen, Nicole Berndsen, welche ihre Probezeit erfolgreich absolviert hat, fest in unseren Reihen begrüßen zu dürfen.

Freude gab es am Sonntagmorgen aber auch für weitere langjährige KID-Mitglieder, denn Josef Djaković kam es als Präsident von KID/DJJB zu, weitere verdienstvolle Mitglieder der KID für ihre Treue und ihre Leistungen durch Graduierungen im Jiu Jitsu zu ehren, und zwar wie folgt:
  • Bernd Kampmann zum 8. Dan Jiu Jitsu
  • Frank Sawallich zum 8. Dan Jiu Jitsu
  • Gerd Dressler zum 7. Dan Jiu Jitsu
  • Achim Wiemer zum 5. Dan Jiu Jitsu
  • Carsten Kruhs zum 5. Dan Jiu Jitsu
  • Uwe Wilhelm zum 3. Dan Jiu Jitsu

Nach diesen erhebenden Momenten ging es schließlich zum gemeinsamen Mittagessen. Das Mittagessen bot noch einmal eine hervorragende Gelegenheit zum Austausch, sodass alle Teilnehmer mit vielen neuen Ideen und der Gewissheit, etwas Konstruktives für die Mitglieder von KID/DJJB sowie das Jiu Jitsu überhaupt getan und gelernt zu haben, – auch angesichts der mittlerweile entspannten Wetterlage – sicher nach Hause fuhren. Niemand rettet uns, außer wir selbst. Niemand kann und niemand darf das. Wir müssen selbst den Weg gehen. (Buddha)
 

Text: Andreas Dolny, Volker Schwarz
Bilder: DJJB