Deutscher Jiu Jitsu Bund

Am 18. und 19. Mai 2019 fand in Hohenlimburg der erste Jiu Jitsu Kompakt Lehrgang statt.
Dieser wurde von der Abteilung Yaware des ETV 1871 e.V. in der vereinseigenen Halle ausgerichtet. Lange schon hatte Michele Colonna (4. Dan Jiu Jitsu) die Idee, ein Lehrgangskonzept anzubieten, das sowohl dem Anfänger als auch dem Fortgeschrittenen hilft, seine Technik vor allem im Bezug auf Gürtelprüfungen zu verbessern, neue Anregungen zu bekommen und von Gleichgesinnten zu lernen.
Hierbei dachte er auch an das Konzept der Open Mat, bei dem sich Kampfsportler verschiedener Stilarten (BJJ, Ringen, Luta Libre…) treffen, um im Sparring voneinander zu lernen. Bei sportlich kämpfenden Systemen ist dies sehr einfach durchführbar. Aber wie sollte es bei einem formal regellosen Selbstverteidigungssystem wie dem klassischen Jiu Jitsu funktionieren?
Michele erzählte seinen langjährigen Weggefährten Dirk Lunnemann (4. Dan Jiu Jitsu) aus Essen und Markus Wilger (5. Dan Jiu Jitsu) aus Bottrop von der Idee. Diese sagten ihre Unterstützung sofort zu und jeder brachte weitere Ideen zum neuen Konzept ein. Beim Seminar der Korporation Internationaler Danträger (KID) Anfang dieses Jahres, zu dem sich die Lehrer des Deutschen Jiu Jitsu Bundes (DJJB) treffen um die Marschrichtung des Verbandes festzulegen, wurde die Grundidee für ein neues Lehrgangskonzept kurz vorgestellt und ein möglicher Termin bekannt gegeben. Obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine konkreten Inhalte bekannt gegeben wurden, sprach der Verband den Verantwortlichen das Vertrauen aus und schrieb den Lehrgang intern aus.
Nun hat der Lehrgang stattgefunden, und wie war das Wochenende? – Hier ist die Antwort: Alles begann mit einem gemeinsamen Aufwärmtraining in Form eines 20-minütigen HIIT (High Intensity Interval Training) angeleitet von Michele Colonna und Marcel Siemon. Beide gaben im Wechsel eine Übung vor; diese wurde 20 Sekunden durchgeführt, zwischen jeder Übung lagen zehn Sekunden Pause. So kamen die Teilnehmer auf schweißtreibende 40 Übungen. Spätestens jetzt wusste jeder trotz kalter Temperaturen draußen, dieses Wochenende versprach „heiß“ zu werden.
Für den anschließend folgenden Lehrgangsteil standen für dieses Wochenende als Referenten seitens des DJJB Michele Colonna (4. Dan Jiu Jitsu), Dirk Lunnemann (4. Dan Jiu Jitsu) und Marcel Siemon (3. Dan Jiu Jitsu) zur Verfügung. Vorgesehen war auch Markus Wilger (5. Dan Jiu Jitsu), der jedoch verletzungsbedingt kurzfristig absagen musste, es sich aber nicht nehmen ließ als Zuschauer dabei zu sein. Als externe Referenten standen Goran Bojic (5. Dan), Meister der koreanischen Kampfkunst Kuk Sool Won und Timo König (Brown Belt), aktiver Kämpfer und Trainer des Brazilian Jiu Jitsu, zur Verfügung.
 

Michele, Dirk und Marcel haben Themen aus der Prüfungsordnung des DJJB aufgegriffen. Hierbei lag der Schwerpunkt jedoch nicht auf der reinen Vermittlung von Technik, sondern vielmehr auf der Vermittlung von Akzenten, die für das Gelingen jeder Abwehrtechnik notwendig sind und sich universell auf alle eigenen prüfungsrelevanten Techniken für ein besseres Gelingen übertragen lassen. Goran widmete sich intensiv der Vermittlung effektiver Schlag- und Tritttechniken und Timo zeigte, wie Würge- und Hebeltechniken in einer Kampfsituation funktionieren können.
Die Teilnehmer wurden hierzu in drei Gruppen aufgeteilt: In Gruppe 1 waren Gelb- und Orangegurte, in Gruppe 2 sammelten sich Grün- und Blaugurte und Gruppe 3 bestand aus den Braun- und Schwarzgurten. Die Referenten wechselten hierbei stündlich die Gruppen, so dass jede Gruppe im Laufe des Wochenendes mit jedem Referenten arbeiten konnte. Ziel war es hierbei, dass jeder Teilnehmer ein solides Grundpaket an Erfahrungen und Anregungen zur eigenen technischen Verbesserung mitnehmen konnte.
Alle Themen wurden natürlich den Gürtelgraden entsprechend angepasst. Zwischen den Einheiten wurde immer eine Pause eingelegt, bei der sich die Teilnehmer stärken und austauschen konnten. Hierzu hatte der Ausrichter genügend Wasser und Snacks in Form von frischem Obst zur Verfügung gestellt. Am Ende der „geregelten“ Einheiten kam dann die eingangs angekündigte Open Mat ins Spiel, dies war ein Novum für alle Beteiligten und Hauptbestandteil der ursprünglichen Grundidee.
Die Open Mat wurde dann wie folgt durchgeführt: Auf ein Kommando laufen alle Teilnehmer völlig durcheinander über die Matte, unabhängig von Graduierung und Stilrichtung. Beim nächsten Kommando bleiben die Teilnehmer stehen und beginnen mit demjenigen zu trainieren, der ihnen gegenübersteht. Die hierbei entstandenen Paarungen entscheiden hierbei selbstständig, was sie miteinander trainieren möchten. Im Fünf-Minuten-Takt wechselten die Paarungen nach gleichem System. Das Bild, was sich dann darstellte, hätte wohl jedes Trainerherz höherschlagen lassen! Es war wunderbar mit anzusehen, was für eine Eigendynamik in der Open Mat zu sehen und zu spüren war. Es gab kein langes Rumstehen, es ging sofort mit Spaß, Motivation und Neugierde zur Sache. Begeistert nahmen die Organisatoren, die selbst mittrainierten, wahr, wie gut die Open Mat um sie herum angenommen wurde und wie perfekt sie funktionierte.
Es war ein gelungener Abschluss für den ersten Trainingstag, der Lust auf den folgenden Tag machte. Abgerundet wurde dieser erste Lehrgangstag mit einem gemeinsamen Essen vom italienischen Buffet und geselligem Beisammensein bis zum späten Abend. Am nächsten Morgen ging es dann wie am ersten Tag weiter im Programm.
Man darf an dieser Stelle ausdrücklich hervorheben: Das Experiment Kompakt Lehrgang ist sicher geglückt! Insgesamt wurden von dem Referententeam 15 Einheiten für die zahlreichen Teilnehmer geleitet, sowie zwei Open Mats durchgeführt. Die allgemeine Stimmung danach und die vielen positiven Rückmeldungen schreien förmlich nach einer regelmäßigen Wiederholung dieses neuen Lehrgangskonzeptes. Mehr können wir als Ausrichter nicht erwarten. Vielen Dank nochmal an alle Teilnehmer und Referenten!
 

Michele Colonna