Deutscher Jiu Jitsu Bund

Wenn die erste Hälfte des Jahres verstrichen ist, wird es Zeit für die erste von zwei Dan-Prüfungen, die der Deutsche Jiu Jitsu Bund jedes Jahr ausrichtet. Diesmal fiel der Tag der Prüfung auf den 17.06.2018. Im Prüfungskomitee saßen an diesem Sonntag Josef Djakovic (9. Dan Jiu Jitsu, Präsident DJJB/KID), Dieter Mäß (8. Dan Jiu Jitsu) und Bernd Kampmann (7. Dan Jiu Jitsu).
Zur Prüfung angetreten waren Matthias König, Alexander Kloß und Corina Santacruz, die ihre Prüfung zum 1. Kyu Jiu Jitsu ablegen wollten. Neben den genannten Anwärtern traten im Übrigen Ines Bartnick und Jana Rödler zum 1. Dan Jiu Jitsu zur Prüfung an, sowie Tobias Becker und Pascal Laqua zum 2. Dan Jiu Jitsu. In einer entspannten, aber konzentrierten Atmosphäre zeigten die Prüflinge dem Komitee ihr Können. Den geduldigen und geschulten Augen der Prüfer entging nichts.
Den Zuschauern bot sich an diesem Tag ein breites Repertoire aus den unterschiedlichsten Angriffen und Verteidigungstechniken aus dem Prüfungsprogramm des DJJB. Alle Prüflinge hatten als gemeinsame Aufgabe Kata. Nach der Demonstration der Kata fängt das Programm des einzelnen Prüflings erst an, denn es wird ein für den Gürtelgrad gültiger Querschnitt aus dem Technikkanon des DJJB verlangt, der an diesem Tag pro Prüfung durchweg über 100 Einzeltechniken vorsah. Hierzu gehören auch die Techniken zur Verteidigung gegen einen Angriff mit der Waffe. Besonderes Augenmerk wurde wie immer auf diese Waffentechniken gelegt, schließlich geht von Messern und Schusswaffen auch in der Abwehr derselben die größte Gefahr für einen selbst und Unbeteiligte aus. Somit kam der Waffenkontrolle und -entnahme eine große Bedeutung zu. Hier konnte man punkten oder auch bereits durch gute Techniken gewonnene Punkte wieder verlieren.
Dabei sei betont, dass die Prüfungsleistung in einer Punktezahl mit Note zum Ausdruck kommen muss, denn im Ernstfall ist der "Punktabzug" für einen Schnitt oder Schuss womöglich eine schwere Verletzung mit Todesfolge. Nach der Technikdemonstration folgte in der Regel eine Pause. Danach ging es für jeden Prüfling in den "Kreis" und es zeigte sich, dass die anwesenden Jiu-Jitsuka nicht nur für einen Prüfungstag mit Prüfungspartner – und somit lediglich zur Schau – gelernt hatten, sondern dass sie auch in der Lage waren zu improvisieren.
Am Schluss einer jeden Prüfung steht die Manöverkritik, der sich jeder offene Jiu-Jitsuka stellen muss und wird. Trotz ihres guten Erfolges bei der Prüfung sollten sich alle Prüflinge stets bewusst bleiben, dass das Erhalten des Erlernten oft schwerer ist als das Erwerben, und dies die eigentliche Prüfung ist, die sie zu bestehen haben. Das Erlernen und Darstellen der Techniken ist keine einmalige Angelegenheit, sondern muss eingebettet in einem permanent wirkenden Prozess von Üben, Korrigieren (korrigiert werden), Verbessern und Praktizieren sein. Nur so kann der Stillstand der Entwicklung und der Beschreitung des Weges "Do" vermieden werden.
Eine weitere Voraussetzung ist die permanente fachlich kompetente Betreuung durch einen Lehrer im Jiu-Jitsu, der Stärken und Schwächen aufzeigen kann, der zum richtigen Zeitpunkt das notwendige Maß an Kritik übt und letztendlich über einen langen Zeitraum die Aufgabe wahrnimmt, den anstrengenden Schliff des "Rohdiamanten" im Dojo vorzunehmen. Im Verlauf der Danprüfung, die in Essen im Dojo des TBF-Essen-Frintrop e.V. stattfand, sahen Zuschauer, Prüflinge und Prüfer überzeugende Leistungen und interessante Darbietungen des Jiu Jitsu. In einer feierlichen Zeremonie wurde den zwei neuen Dan-Trägern der Schwarzgurt umgebunden, sowie ihnen und allen übrigen Prüflingen die Urkunde zur bestandenen Prüfung überreicht.
Die Nationalhymnen Deutschlands und Japans rundeten die Zeremonie ab, gefolgt von dem Beifall der anwesenden Freunde, Eltern und Zuschauer, die nun endlich auf ihre Weise – nach einer langen Phase konzentrierter Atmosphäre – ihrer Begeisterung angesichts des Gezeigten freien Lauf lassen konnten. Der DJJB gratuliert allen Prüflingen zur erbrachten Leistung und wünscht ihnen für den weiteren Weg alles Gute.
 

Text: Andreas Dolny/Volker Schwarz
Bild: Sabine Kloß