„Vor der Prüfung ist nach der Prüfung“, heißt es. Diese Weisheit
gilt gleichermaßen für Schule Beruf und das Üben des Budo, denn Prüfungen ziehen
sich wie ein roter Faden durch unser Leben. Das „Paket“, welches auf einer
Prüfung „gestemmt“ werden muss, ist von Prüfung zu Prüfung unterschiedlich, wird
aber naturgemäß mit dem steigenden Anspruch immer schwerer.
Folglich benötigt man immer mehr Fähigkeiten und Fertigkeiten, wenn man die
nächste Stufe erklimmen will. Aber es gehört auch taktisches Vorgehen und
Selbstkenntnis dazu, erfolgreich Prüfungen erfolgreich zu bestehen. Es geht um
die Einteilung der Kraft, Selbstkenntnis, Ehrlichkeit sich gegenüber, gegenüber
seinem Partner und dem Lehrer.


Bei allem Spaß, den das Training mit sich bringt, gehört auch ein Maß an
„Ernsthaftigkeit“ zur Vorbereitung, denn am Tag der Prüfung kann nicht mehr
nachgebessert werden. Hier gibt es kein „Ich mache das morgen besser…“,
sondern die tatsächlich erbrachte Leistung im Angesicht des Stresses zählt.
Und auch der Stress, dem wir uns aussetzen, hat seinen Sinn, denn der Stress
– er ist immer wieder auf´s Neue eine maßvolle Überforderung – bringt uns im
Leben und auf der Matte (sowie in einer Notsituation) weiter.
Ohne Stress fehlt die Anpassung an die möglichen Gegebenheiten. Der Umgang
mit Stress wird von jedem auf seine eigene Art und Weise gelernt werden
müssen. Im Rahmen einer speziell vom Verein eingerichteten
Kleingruppe werden nunmehr im zehnten Jahr unter der fachkundigen
Leitung von Sabine Kloß Kinder mit Koordinationsstörungen, vermindertem
Körpergefühl, Hyperaktivität, verminderter Aufmerksamkeit, mangelnder
Ausdauer sowie zu geringer Muskelspannung zielgerichtet im Jiudo
unterrichtet. Mit Erfolg.
Die positiven Auswirkungen einer einzigen Übungseinheit zeigen sich jedes
Mal, wenn die Kinder sich am Schluss der Stunde in der Phase des Abgrüßens
(Verbeugens) befinden und von der gesamten Gruppe eine besinnliche Ruhe
ausgeht und die Kinder sich sammeln können. Sammeln heißt hier auch Kraft
sammeln und „Power“ für den Tag zu gewinnen.
Power brauchten auch die Prüflinge, die am 5. Dezember 2009 bei den
Kyu-Prüfungen teilgenommen haben. Über 40 Jiudoka und sechs Jiu Jitsuka
haben ihr Können unter Beweis gestellt, unter ihnen auch Sina Scharf und
Nicolas Zink, die ihren 1. Dan im Jiudo abgelegt haben.

Seit dem 19. Januar 2010 bietet der
Bujindo Mülheim auch
eine eigene Gruppe für
Einsteiger im Jiu Jitsu ab 35 Jahren an, die in das Dienstags- und
Freitagstraining integriert ist. Der Fokus in dieser Untergruppe ist primär
nicht auf Gürtelprüfungen oder der Teilnahme an Wettkämpfen gelegt, vielmehr
geht es um das Erlernen effektiver Selbstverteidigungstechniken und eine
Verbesserung der allgemeinen Fitness. Denn unabhängig von Alter oder
Geschlecht kann Jiu Jitsu von jedem erlernt und ausgeübt werden, der den
nötigen Willen und Ehrgeiz mitbringt. Durch Abwehrtechniken unter
Zuhilfenahme von Alltagsgegenständen (Schal, Regenschirm, Kugelschreiber
etc.) und die Kenntnis von Schmerzpunkten des menschlichen Körpers können
Angreifer mit minimalem körperlichen Aufwand gestoppt werden.
Durch selbstbewusstes Auftreten wird die Gefahr von Übergriffen nachweislich
reduziert.
Jiu Jitsu hat viele „Gesichter“ und viele Seiten: Kampfkunst, wirkungsvolle
Selbstverteidigung, Sport, Wettkampfsport und wertvoller „Wegweiser“ für
Kinder, Jugendliche und alle Menschen, die durch den Weg des Jiu Jitsu
„jung“ bleiben wollen...
Volker Schwarz